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Optimierte Dimensionierung von Entrauchungsanlagen

Im Rahmen der Erstellung von Brandschutzkonzepten f√ľr komplexe Sonderbauten stellen technische Ma√ünahmen zur Entrauchung/Rauchabfuhr einen entscheidenden Teil des Sicherheitskonzeptes dar.

Die Dimensionierung erfolgt pauschal nach den empirischen Ans√§tzen des Sonderbauvorschriften oder √ľber normative Vorgaben wie zum Beispiel die DIN EN 12101.

Schutzziele des Baurechts in Bezug auf die Entrauchung

Es wird in Bezug auf Maßnahmen zur Entrauchung/Rauchableitung generell zwischen zwei Schutzzielen gemäß § 14 MBO unterschieden:

  • Rettung von Menschen erm√∂glichen
  • Wirksame L√∂scharbeiten erm√∂glichen

Im Jahr 2008 wurde hierzu eine Grundlagenpapier der ARGEBAU und dem AK VB/G der AGBF erarbeitet.

Als Kernaussage des Grundlagenpapiers kann festgestellt werden

Bei Sonderbauten mit ausschlie√ülich baulichen Rettungswegen bedarf es f√ľr die Personenrettung in aller Regel nicht der Mitwirkung der Feuerwehr. Die Geb√§ude sind so zu planen, dass sich die Personen darin im Gefahrenfall selbst in Sicherheit bringen k√∂nnen.

Die MBO sieht f√ľr die Personenrettung keine Ma√ünahmen zur Rauchableitung vor.

Solche Ma√ünahmen (bei denen z. B. die rechtzeitige und sichere Funktion der Rauchabzugsanlagen Voraussetzung f√ľr die Benutzbarkeit der Rettungswege ist) k√∂nnen allenfalls im Einzelfall, zur Kompensation f√ľr eine Abweichung von bauordnungsrechtlichen Anforderungen in Betracht kommen.

Wird bauordnungsrechtlich gefordert, dass in bestimmte R√§ume Rauch nicht eindringen darf (z. B. beim Sicherheitstreppenraum ‚Äď wenn also auf einen der beiden eigentlich verlangten Rettungswege verzichtet werden darf), werden keine Ma√ünahmen zur Rauchableitung verlangt, sondern vielmehr zur Rauchfreihaltung (d. h.: Rauch darf in den Rettungsweg erst gar nicht eindringen k√∂nnen).

F√ľr die Evakuierung (R√§umung) gro√üer Geb√§ude mit vielen Menschen sind aus Sicht des Bauordnungsrechts insbesondere die Faktoren „Zeit“ und „Vermeidung von Staus“ von Bedeutung.
Beiden Faktoren wird bauordnungsrechtlich in erster Linie durch die Anordnung (Lage, Anzahl) und Breite der Ausgänge (und ggf. auch der Gänge im Raum) Rechnung getragen.

Die Evakuierung (R√§umung) gro√üer Geb√§ude kann nicht nur aufgrund eines Brandes, sondern auch aus anderen Gr√ľnden (Terrordrohung/-anschlag, Amoklauf, Wassereinbruch, Teileinsturz etc.) erforderlich werden.

Ma√ünahmen zur Rauchableitung k√∂nnen hierbei f√ľr eine schnelle Evakuierung keinen Beitrag leisten.

Das Bauordnungsrecht erm√∂glicht wirksame L√∂scharbeiten grunds√§tzlich dadurch, dass die Feuerwehr eine bauliche Anlage von der √∂ffentlichen Verkehrsfl√§che aus ungehindert erreichen und die Rettungswege als Angriffswege nutzen kann, durch die Standsicherheit im Brandfall f√ľr eine bestimmte Zeit, durch die Schaffung von Brandabschnitten und dadurch, dass ggf. L√∂schanlagen zur Verf√ľgung stehen.

Das Bauordnungsrecht lässt nur einen zeitlich eingeschränkten Feuerwehreinsatz innerhalb einer baulichen Anlage zu, der durch die vorgegebene Standsicherheit der Anlage im Brandfall
bestimmt wird.

M√ľssen aufgrund der Brandentwicklung beim Eintreffen der Feuerwehr einzelne, brandschutztechnisch abgetrennte R√§ume, die Nutzungseinheit, der Brandabschnitt / Brandbek√§mpfungsabschnitt oder das Geb√§ude aufgegeben werden, k√∂nnen aber die benachbarten R√§ume/Nutzungseinheiten/Brandabschnitte/Brandbek√§mpfungsabschnitte/Geb√§ude durch den Feuerwehreinsatz gesch√ľtzt werden, handelt es sich gleichwohl im bauordnungsrechtlichen Sinn um „wirksame L√∂scharbeiten“.

Dass bauordnungsrechtlich in bestimmten F√§llen √Ėffnungen zur Rauchableitung oder Rauchabzugsanlagen verlangt werden, tr√§gt der Erfahrung Rechnung, dass solche √Ėffnungen/Anlagen ‚Äď selbst wenn daf√ľr keine quantifizierte Entrauchungswirkung vorgegeben ist ‚Äď die Feuerwehr bei ihrer Arbeit unterst√ľtzen.

 

Auslegung von Entrauchungsanlagen durch rechnerische Sondernachweise

Das Baurecht gestattet √ľber Abweichungen und Erleichterungen von den baurechtlichen oder auch normativen Vorgaben im Rahmen eines Brandschutzkonzeptes abweichen zu k√∂nnen.

Somit kann im Rahmen des Planungsprozesses mit dem Auftraggeber und den Planern ein auf das Objekt und die räumlichen bzw. anlagentechnischen Randbedingungen abgestimmtes Entrauchungskonzept entwickelt werden.

Hierzu gehören folgende Teilschritte:

  • Definition der zu erf√ľllenden Schutzziele und gegebenenfalls Abstimmung mit der Baubeh√∂rde/Feuerwehr
  • Prinzipielle √úberlegungen zum Auswahl des Systems (mechanische Entrauchung, nat√ľrliche Entrauchung, Rauchfreihaltung, Mischsysteme)
  • Vorabstimmung der m√∂glichen √Ėffnungsfl√§chen in der Fassade / Dach bzw. der denkbaren Volumenstr√∂me bei mechanischen Systemen mit den TGA-Fachplaner
  • Voruntersuchungen anhand vereinfachter 3D-Modelle mit rechnerischen Verfahren (z.B. Brandsimulation mit CFD-Programmen)
  • Ber√ľcksichtigung von Str√∂mungseffekten aufgrund der Kubatur oder durch Au√üenwind
  • Anpassung der √Ėffnungsfl√§chen / Volumenstr√∂me und Optimierung in einem iterativen Prozess (Parameterstudie)
  • Vorstellung der Zwischenergebnisse bei Auftraggeber und den Planern bzw. der Baubeh√∂rde / Feuerwehr
  • Anpassung des Modells auf aktuellen Planstand und Durchf√ľhrung der finalen Berechnungen
  • Erstellung eines umfassenden Simulationsgutachtens

Dimensionierung von Entrauchungsanlagen

 

Die Vorteile dieses Verfahrens liegen darin, dass anhand der Modelle der rechnerischen Sondernachweise verschiedene Entrauchungsmöglichkeiten untersucht und verglichen werden können.

Hierdurch können wir Ihnen eine optimierte Lösung abseits der starren Vorgaben und Normen erarbeiten.